Wie ich vorhergehend schon einmal andeutete, gibt es in der aktuellen Ausgabe der Publikation "Schach" einen Leserbrief, in dem sich der Schreiber über den zunehmenden Sexismus in der Schachszene mokiert. Als Beleg gibt er einen Chat mit den Spielerinnen Melanie Ohme (D) und Anna Ushenina (Ukr) am Rande der Schacholympiade in Dresden (Nov. 2008) an, in dem männliche Teilnehmer nicht vermeiden konnten, anzügliche Bemerkungen in ihre Tastaturen zu tippen ("she is hot", "mit ihr würde ich auch gerne mal eine wilde Partie spielen").

Eine andere Sache, die auch mir oft auffällt ist, dass in der Berichterstattung über Frauenschach sehr oft Bemerkungen über die Attraktivität von Spielerinnen fallen.

Nun ja, Frauen sind für viele Schachspieler, die diesem Hobby intensiver frönen, etwas exotisches, sodass es vielleicht schwierig für sie ist mit ihren Hormonen umzugehen, wenn etwas auftaucht, was auch nur entfernt nach Weiblichkeit aussieht. Dieses trifft nicht nur auf Schachspieler zu; schon seit Beginn der Chats im Internet nutzt ein großer Teil männlicher User dieses um mit seinem Hormonstau umzugehen. Das wird sich leider wohl auch nicht ändern.

Bei der zweiten Sache bin ich mir nicht sicher, ob ich da zustimmen kann, dass es sich um Sexismus handelt, wenn Schachjournalisten vor den Namen der Spielerin das Adjektiv "die schöne..." oder "die attraktive..." setzen. Dieses gibt es in anderen Bereichen auch; so kommt kaum ein Bericht über die Skirennläuferin Maria Riesch aus, ohne sie als schön oder attraktiv zu bezeichnen. Noch ein bißchen stärker ist es im Damentennis, wo Spielerinnen wie Ana Ivanovic (Ser) oder Alize Cornet (Fra) allerdings auch immer mehr auf ihr Äußeres auch auf dem Platz achten, das Tennisdress immer mehr Haut zeigt und sie sich gelegentlich ein Zubrot mit relativ freizügigen Fotos verdienen, was natürlich wiederum die männlichen Hormone anspricht.

Beim Schach ist dieses natürlich eher die Ausnahme, weil Frau diesen Sport in Zivil betreibt und die wenigsten Schachspielerinnen einen Bekanntheitsgrad erreichen, der ein erhöhtes Medieninteresse erweckt.

Vor ein paar Jahren versuchte die russisch-serbische Spielerin Maria Manakowa mit freizügigen Fotos mal Aufmerksamkeit zu erregen, sie hat, laut der deutschen Spielerin Elisabeth Pähtz allerdings keine Ahnung vom Schach.

Die amtierende Weltmeisterin und inzwischen Mutter gewordene Alexandra Kosteniuk vermarktet sich und ihr Äußeres schon länger erfolgreich, allerdings ohne sich so richtig ganz auszuziehen.

Nun ja, für mich ist eine attraktive Frau immer bemerkenswert und ich fühle mich dann nicht sexistisch, wenn ich es bemerke.

PS: Vom früheren Weltmeister Bobby Fischer, dem, neben Garry Kasparow, wohl bekanntesten Schachspieler aller Zeiten, wird folgende Anekdote kolportiert. Auf den fragenden Blick eines Schachkollegen am Morgen nach einer Nacht mit einer Frau soll Fischer geantwortet haben "Chess is better".